Die Phasen der Venus

Bild oben: Die Phasen der Venus von der Erde aus gesehen. Nur mit dem Fernrohr erkennt man, dass Venus Phasen wie der Mond zeigt. Wir sehen sie als große, schmale Sichel, wenn sie zwischen Erde und Sonne steht, und als kleine, wenn sie jenseits der Sonne steht.
Bild Mitte: Diese Fotos zeigen gut die gleichzeitige Veränderung von Form und Größe des beleuchteten Teils der Venus, von der Erde aus gesehen.
Bild unten: Die hier dargestellten verschiedenen Phasen der Venus erklären warum die Helligkeit des Planeten sich nur wenig zu verändern scheint: Wenn der erleuchtete Teil sehr schmal ist, ist er auch sehr lang und hell.

Galilei hatte schon bewiesen, dass der Mond der Erde gleicht (also ebenfalls ein Planet ist), nun zeigte er, dass die Venus dem Mond gleicht. In einem Brief an seinen venezianischen Freund Sarpi erläuterte er seine Beobachtungen: Wenn man den Mond durch das umgekehrte Fernrohr betrachte, sehe man einen leuchtenden Punkt wie die Venus.

Diese Entdeckungen hatten auch einen anderen Aspekt, der für die damalige Astronomie vielleicht noch wichtiger war. Nach dem System des Kopernikus variierte die Entfernung zwischen Erde und Venus sehr: Die sichtbare Größe der Venus müsste von der Erde aus also stark schwanken. Nun sieht man Venus mit bloßem Auge aber immer als leuchtenden Punkt, dessen Helligkeit zwar variiert, aber viel weniger, als zu erwarten wäre, wenn sie sich tatsächlich nähern würde. Zur damaligen Zeit war das ein starkes Argument gegen Kopernikus. Nun sah man aber durch das Fernrohr, dass die Größe der Venus wirklich sehr schwankt, wie es Kopernikus vorhergesehn hatte. Aber gleichzeitig ändert sich ihre Gestalt: Ihre Helligkeit variiert deshalb nicht sehr, weil sie gerade dann am größten ist, wenn sie sichelförmig erscheint. Von allen Entdeckungen, die Galilei bis hierhin gemacht hatte, war es vielleicht diese, die das koperkanische Weltbild am meisten untermauerte.

Quelle: "Galileo Galilei Und sie bewegt sich doch!" von Jean-Pierre Maury , © 1986 Editions Gallimard, Paris; Bild oben und unten: Stich von C. Flammarion, Mitte: Gallimard, Paris.

 

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