Das Leben des Galilei

Nach dem Wunsch seines Vaters sollte Galileo Galilei ein Medizinstudium absolvieren. Er hätte ein angesehener Arzt werden können, und so einen sicheren Lebensunterhalt gehabt. Nach Auffassung seines Vaters hätte Galileo als Arzt gut verdienen und seine Familie finanziell unterstützen können. Sein Interesse galt jedoch der Mathematik. Zufällig hörte Galilei die Vorlesung des Mathematikers Ostilio Ricci, der am Hof des Großherzog tätig war. Dieser unterstützte Galilei tatkräftig bei seinem Mathematikstudium.

Doch als er 1585 ohne akademischen Abschluss die Universität in Pisa verließ, blieb ihm nichts anderes übrig, als nach Florenz zurück zu kehren und sich mit Privatstunden, die er gab, durchzuschlagen. 1589 engagierte ihn die Universität Pisa. Dort sollte er Studenten für 60 Scudi Jahresgehalt unterrichten. Er geriet jedoch in finanzielle Schwierigkeiten, als er nach dem Tod seines Vaters für die Mitgift seiner Schwester einstehen sollte.

Zu dieser Zeit galten die Gesetzte des griechischen Philosophen Aristoteles als unantastbar. Nach Aristoteles bestimmte das Gewicht eines Körpers seine Fallgeschwindigkeit. Nach Galilei's Überlegungen musste jeder Körper gleich schnell zu Boden fallen. Er überprüfte diese Überlegung in einem Experiment: Er warf verschieden schwere Kugeln mit gleicher Größe vom schiefen Turm von Pisa. Mit den gewonnenen Erkenntnissen konnte er Aristoteles Aussagen widerlegen, was ihn jedoch bei den Professoren unbeliebt machte. Trotzdem gilt dieses Experiment heute als Geburtsstunde der modernen Naturwissenschaft.

Durch die Unstimmigkeiten mit seinen Kollegen in Pisa, war er froh, als er einen Vertrag mit der Universität Padua abschließen konnte. Padua gehörte zur Republik Venedig und war bekannt für seine Toleranz und die Unabhängigkeit von der Kirche. Neben seiner Aufgabe, Studenten in den Grundlagen der Astronomie zu unterrichten, baute er ein Thermometer und einen zweischenkligen Rechenschieber. Diese Zeit in Padua zählte zu den angenehmsten Jahren seines Lebens. Er konnte frei experimentieren und mit Studenten philosophieren. Zu dieser Zeit hatte Galilei eine Geliebte (Maria Gamba), die er jedoch nicht heiratete. Ein Grund dafür könnte die ständige Geldnot gewesen sein.

Die Erfindung des Fernrohres in Holland stellte in Galilei's Leben eine dramatische Wende dar. Galilei baute das Fernrohr nach und wurde so berühmt. Man erkannte sehr schnell, dass man das Fernrohr auch zu militärischen Zwecken einsetzen konnte. Sein Gehalt wurde aufgrund seiner Leistung verdoppelt. Galilei's Pläne zogen ihn jedoch wieder nach Florenz. Er bewarb sich bei seinem ehemaligen Schüler Cosimo II. de Medici, der das Großherzogtum Toskana geerbt hatte. Der Vorteil bei dem Vertrag mit Cosimo II war, dass Galilei sich ganz seinen Forschungen widmen konnte und keine Vorlesungen mehr halten musste.
Mit seinem Fernrohr untersuchte er die Mondoberfläche, entdeckte die
Milchstraße als eine Ansammlung von Sternen und die vier Jupitermonde. Zur Anerkennung des Großherzogs nannte er die Jupitermonde „Mediceische Sterne".

Als er dann schließlich 1610 nach Florenz kam, nahm jedoch das Unglück seinen Lauf. Einige Kardinäle in Rom hatten bereits Galilei's "Sidereus Nuncius" gelesen und hatten erkannt, dass er in dieser Schrift das kopernikanische Weltbild bestätigte. Dies widersprach dem geozentrischen Weltbild des griechischen Astronomen Ptolemäus und der Heiligen Schrift. Denn im 10. Buch Josua steht: „Sonne, zu Gibeon stehe still, und Mond, verharre im Tal Ajjalon!" Diese Bibelaussage wurde von der Kirche so gedeutet, dass die Sonne und der Mond die Erde umkreisen.

Noch ahnte Galilei nichts Schlimmes, da die kirchlichen Astronomen seine Thesen bestätigten. Dennoch sahen die Geistlichen die gesammelten Beweise von Galilei nicht als Bestätigung des heliozentrischen Weltbildes. Statt dessen verlangten sie eine Modernisierung des geozentrischen Weltbildes. Die Erde sollte auf jeden Fall im Mittelpunkt stehen.

Um die Skeptiker von seiner Theorie zu überzeugen, machte sich Galilei 1611 auf den Weg nach Rom. Er wurde freundlich empfangen, und wurde dank seines rhetorischen Könnens zum intellektuellen Oberhaupt der 1603 gegründeten "Accademia dei Lincei" ernannt. Diese wurde unter seiner Führung zur ersten naturwissenschaftlichen Akademie der Welt. Für Galilei gehörten Religion und Wissenschaft nicht zusammen. Die Kirche sah das anders. Immer mehr Anhänger des Klerus hatten Angst, dass die Zweifel Galilei's sich bald auf die ganze Bibel übertragen würden. Vom Dominikaner Tommasco Caccini wurde Galilei im Dezember 1614 in einer Predigt öffentlich angegriffen und anschließend bei der Inquisitionsbehörde gemeldet. Um seine Lehre zu verteidigen, wollte sich Galilei wieder nach Rom begeben, was ihm zunächst durch starke Gelenk- und Gliederschmerzen nicht möglich war. Als er schließlich in Rom ankam nutzte er jede Gelegenheit, um mit Fürsten und Kardinälen über das kopernikanische System zu diskutieren. Jedoch bekam er keine Unterstützung. Am 5. März 1616 wurden die Lehren des Nikolaus Kopernikus endgültig verboten. Da seine Aussagen nicht dem Weltbild der Bibel entsprachen, wurde Galilei aufgefordert seine Meinung zu ändern. Im Falle einer Ablehnung würde es zu einer Anklage kommen. Damit erhoffte sich die Kirche den Fall Galilei unter Kontrolle zu haben.

Quelle: History 00/002

 

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