Die Entdeckung der Jupitermonde
Mit seinem fünften Fernrohr machte Galilei eine herausragende Entdeckung.
Jede Nacht beobachtete Galilei den Himmel, während er am Tag an einem noch vollkommeneren Fernrohr - seinem fünften - arbeitete. Anfang des Jahres 1610 ist es fertig: Es vergrößerte dreißigfach. Im Lauf seines Lebens baute Galilei noch viele andere, um sie seinen Freunden zu schenken, sie an ausländische Kollegen zu schicken oder um sie zu verkaufen. Aber dieses blieb sein bevorzugtes Fernrohr, von dem er sich niemals trennte.
Damit machte er auch gleich seine wichtigste Entdeckung. "Am 7. Januar dieses Jahres 1610, zur ersten Nachtstunde, als ich die Sterne mit dem Fernrohr ansah, zeigte sich mir Jupiter; und weil ich ein wirklich ausgezeichnetes Instrument gebaut hatte, sah ich nahe bei dem Planeten drei Sterne, zwar klein, aber sehr hell (die ich früher nicht bemerkt hatte, weil mein vorhergehendes Fernrohr weniger gut war). (...) Ihre Anordnung um Jupiter war diese:
Osten Westen
Am 8. Januar, als ich zur gleichen Beobachtung zurückkam - ich weiß nicht, was mich dazu gedrängt hat -, fand ich sie in einer anderen Anordnung:
Osten Westen
Die drei kleinen Himmelskörper waren jetzt westlich von Jupiter. (...)"
Galilei glaubte zuerst, dass die drei "kleinen, hellen Himmelskörper" Sterne sind (davon entdeckte er jede Nacht Hunderte), vor denen Jupiter sich bewegte. Dass sich ein Planet vor Sternen bewegt, ist zunächst nichts Erstaunliches. Allerdings müsste sich Jupiter zu dieser Zeit des Jahres in die andere Richtung bewegen. Da die nächste Nacht wolkig war, konnte Galilei die Himmelskörper jedoch nicht weiter beobachten. Am 10. Januar schließlich war der Himmel klar:
Osten Westen
Da es nicht möglich ist, dass Jupiter plötzlich kehrtgemacht hat, mussten sich die kleinen Himmelskörper bewegt haben. Es sind also keine Sterne, sondern Monde, die Jupiter umkreisen. Galilei nannte sie nicht Monde, sondern "Planeten". Und wenn an jenem Tag der dritte kleine Himmelskörper unsichtbar ist, so liegt das daran, dass er hinter Jupiter versteckt ist.
Einige Tage später entdeckte Galilei, dass es nicht drei, sondern vier Monde sind, die Jupiter umkreisen. Er beobachtete die vier Trabanten genau. Es gelang ihm, zweifelsfrei zu beweisen, dass sie Jupiter wirklich bei seiner Bewegung durch den Himmel folgen.
Nun war einer der Einwände, die gegen die kopernikanische Lehre angeführt wurden, dass der Mond der Erde in ihrer Bewegung nicht folgen könnte, wenn diese sich um die Sonne drehte. Galilei antwortete: "Jetzt haben wir ein Argument von ganzer Schönheit, um ihre Zweifel zu beschwichtigen. (...) Wir haben nicht nur einen Planeten, der sich um einen anderen dreht, während beide zusammen eine große Bahn um die Sonne beschreiben: Wir sehen mit unseren eigenen Augen vier Himmelskörper, die sich um Jupiter drehen, wie der Mond um die Erde, während das Ganze in zwölf Jahren eine große Umdrehung um die Sonne macht."
Für Galilei war "mit seinen eigenen Augen sehen" der beste aller Beweise. Er ahnte noch nicht, wie schwierig es sein würde, seine Gegner dazu zu bringen, zu glauben, was sie mit ihren eigenen Augen sahen.
Unterdessen nahm er Abschied von seinem "lieben Leser" und versprach ihm bald neue Enthüllungen.
Quelle und Abbildungen aus: "Galileo Galilei Und sie bewegt sich doch!" von Jean-Pierre Maury , © 1986 Editions Gallimard, Paris |